Äußert sich ADHS bei Frauen anders als bei Männern – und wenn ja, wie?

Einordnung

ADHS wird bei Mädchen und Frauen vermutlich häufiger übersehen oder erst spät diagnostiziert. Ein wichtiger Grund: Das klassische Bild der ADHS wurde lange von Jungen mit sichtbarer Hyperaktivität und Impulsivität geprägt. Mädchen zeigen dagegen häufiger weniger auffällige Formen mit Unaufmerksamkeit, innerer Unruhe und Schwierigkeiten bei Organisation und Selbststeuerung. Solche Probleme werden leichter als Persönlichkeit, Überforderung, Ängstlichkeit oder depressive Symptomatik eingeordnet. Hinzu kommt, dass manche Betroffene ihre Schwierigkeiten lange kompensieren oder verbergen. Aus gendermedizinischer Sicht bedeutet das: Gleiche Diagnosekriterien führen nicht automatisch zu gleicher diagnostischer Aufmerksamkeit. Bei Mädchen und Frauen sollte deshalb auch dann an ADHS gedacht werden, wenn die typische äußere Hyperaktivität fehlt.

Quellen: Für die obige Einordnung ist der Fachmedizinjournalist Rainer H. Bubenzer, Expertenrat ADHS, verantwortlich. Der nachfolgende Beitrag stammt aus einer Abfrage unseres Podcasts „ADHS? Kein Grund zur Panik! Aus der Praxis für die Praxis“. Habt ihr fachliche Fragen, wendet euch bitte über das Kommentarfeld unten an die Experten des Expertenrates ADHS.

Ja – in den bereitgestellten Podcast-Aussagen wird mehrfach gesagt, dass die Kernsymptome bei Männern und Frauen zwar grundsätzlich dieselben sind, sie sich aber „zum Teil eben sehr unterschiedlich“ äußern. Für Frauen wird wiederholt beschrieben, dass ADHS oft verdeckter wirkt: Viele versuchen, nicht aufzufallen, passen sich stark an, „verstecken ganz viel“ und lassen Überforderung nach außen nicht erkennen. Im Podcast klingt wiederholt an, dass Frauen sich eher durch permanentes Überforderungserleben, innere Unstrukturiertheit und Scham- oder Minderwertigkeitsgefühle zeigen können, während bei Männern eher offenere Impulsivität, Aggression, Unfälle oder Konflikte mit Regeln auffallen. Dazu kommt in mehreren Folgen ein weiterer Unterschied: Bei Frauen scheinen Hormonschwankungen eine besondere Rolle zu spielen, etwa in Pubertät, Zyklus oder prämenstruell; deshalb wird dort auch von geschlechtersensibler Behandlung gesprochen. Über viele Podcastfolgen hinweg entsteht so der Eindruck, dass ADHS bei Frauen nicht unbedingt „milder“, sondern oft weniger sichtbar und deshalb leichter zu übersehen ist. (Interpretation)

Fundstellen zum Nachhören

  • Andrea Boreatti

    …eine Hyperaktivität oder/und Impulsivität bei Männern und Frauen gleichfalls erfüllt sein. Nur äußert sich zum Teil eben sehr unterschiedlich.

    Ab 5:30 hören

  • Boreatti

    …Frauen sind, die im Alltag ein permanentes Überforderungserleben haben und versuchen, das aber nicht nach außen dringen zu lassen. Und dann gibt es Frauen, die verstecken ganz viel.

    Ab 18:05 hören

  • Unbedingt. Und zwar

    …Unfälle hat, der Verletzungen hat, auch dran denken. Das passiert ja ADHSlern immer häufiger. Gerade bei Männern, die sind ja eher aggressiver. Ja, einfach vom Testosteron, was ganz natürlich ist. Ja, und sie haben eher…

    Ab 24:12 hören

  • Astrid Neuy-Lobkowicz

    …bei menstruierenden Frauen… eventuell prämenstruell die Medikation erhöhen… Und das ist natürlich anders als beim Mann, weil sie praktisch immer diese Wechsel haben.

    Ab 7:37 hören

  • Zimmermann

    …ie Frauen mit 60 plus. ADHS ist aber ja eine Störung, die in jüngeren Jahren, vor allem bei den Jungs und Männern diagnostiziert wird. Da im Verhältnis 2,3:1 und erst ab 40 gleicht sich das aus, da ist es dann 1:1. Und:…

    Ab 2:41 hören

  • Andrea Boreatti

    …der Herzinfarkt und dann haben wir einen Brustdruck, Ausstrahlung in den linken Arm und das ist sehr typisch bei Männern oder bei vielen Männern, auch wieder nicht bei allen, aber bei vielen Männern typische Symptomatik.

    Ab 11:44 hören

Bitte Fragen, Anmerkungen oder Kommentare im folgenden Feld eingeben