Welche Rolle spielt Psychotherapie bei der Behandlung von ADHS?

Einordnung

Psychotherapie bezeichnet die gezielte Behandlung psychischer Erkrankungen und seelischer Probleme mit wissenschaftlich begründeten psychologischen Methoden. Im Mittelpunkt stehen Gespräche, aber je nach Verfahren auch praktische Übungen und Veränderungen des Verhaltens. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, problematische Denk- und Verhaltensmuster besser zu verstehen und hilfreiche Strategien für den Alltag zu entwickeln. Es gibt unterschiedliche anerkannte Verfahren, darunter die Verhaltenstherapie und psychodynamische Verfahren. Entscheidend für den Erfolg ist neben der gewählten Methode auch eine tragfähige therapeutische Beziehung. Bei ADHS kann Psychotherapie beispielsweise helfen, mit Organisationsproblemen, Impulsivität, emotionalen Belastungen oder begleitenden psychischen Erkrankungen besser umzugehen. Sie kann allein oder zusammen mit anderen Behandlungsmaßnahmen, etwa Medikamenten, eingesetzt werden.

Quellen: Für die obige Einordnung ist der Fachmedizinjournalist Rainer H. Bubenzer, Expertenrat ADHS, verantwortlich. Der nachfolgende Beitrag stammt aus einer Abfrage unseres Podcasts „ADHS? Kein Grund zur Panik! Aus der Praxis für die Praxis“. Habt ihr fachliche Fragen, wendet euch bitte über das Kommentarfeld unten an die Experten des Expertenrates ADHS.

In den bereitgestellten Podcast-Aussagen wird Psychotherapie nicht als unnütz dargestellt, aber auch nicht als alleiniger Haupthebel für die Kernsymptome von ADHS. Mehrfach klingt an: Für Aufmerksamkeit, Konzentration und motorische Unruhe wirkt Medikation in Studien kurzfristig am stärksten; zusätzliche Psychotherapie zeigte dort „keinen weiteren Effekt“ auf diese Symptome. Gleichzeitig wird im Podcast ausdrücklich gesagt: „Medikation ersetzt Psychotherapie nicht, aber macht Psychotherapie oft erst möglich.“ Gemeint ist, dass manche Betroffene einer Psychotherapie, einem Coaching oder ähnlichen Hilfen überhaupt erst gut folgen und davon profitieren können, wenn der Gehirnstoffwechsel durch Behandlung stabiler ist. Daneben schildert eine Betroffene ihre laufende Behandlung bei einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie als „sehr wichtig“: empathisch, wertschätzend, mit konkreten Verhaltenstipps und Raum, sich „alles von der Seele“ zu reden. Über mehrere Folgen hinweg entsteht so der Eindruck, dass Psychotherapie eher eine begleitende, alltagsnahe und verstehende Rolle spielt als eine alleinige Behandlung der ADHS-Kernsymptome.

Fundstellen zum Nachhören

  • Matthias Rudolph

    Medikation ersetzt Psychotherapie nicht, aber macht Psychotherapie oft erst möglich.

    Ab 11:53 hören

  • Daniel Alvarez-Fischer

    Und die Psychotherapie hatte keinen weiteren Effekt. Also wenn man normales Clinical Management mit Clinical Management und Psychotherapie verglichen hat, hatte das keinen Effekt mehr.

    Ab 3:08 hören

  • Sabine Ott-Oechsle

    …stützte mich in allem. Ich muss aber sagen, mir tut es jetzt schon leid, selber für mich. Wenn man das früher erkannt hätte bei mir und behandelt hätte, wäre ich beruflich erfolgreicher geworden und belastbarer, ja. Jede…

    Ab 3:27 hören

  • Ina Cross

    …b bist du den und den Weg gegangen, sondern es gibt auch ein sehr trauriges Auge, weil ich ja im Prinzip Jahrzehnte damit verbracht habe zu denken, ich bin nicht richtig. Und jetzt weiß ich ja, dass es anders ist und das…

    Ab 8:17 hören

  • ?

    …chon, aber nur bis zur tatsächlichen Diagnose dann. Also ich habe mir vorher schon gedacht, ja, hätte ich das doch mal gemacht und mein Leben wäre anders verlaufen. Jetzt weiß ich, mein Leben wäre nicht anders verlaufen.

    Ab 5:17 hören

  • Sabine

    …genommen habe. Und da ist immer auch so eine Prise Wehmut mit dabei gewesen oder häufig. Hätte ich es bloß früher gewusst, dann hätte das und das anders laufen können. Wie war das bei euch und oder bei dir auch?

    Sabine:

    Ab 7:40 hören

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